28 Juli 2021

Das Leben ist so einfach geworden

Was war das Leben früher doch kompliziert. Vor allem dann, wenn man als guter Mensch gelten wollte. Das fing schon im Christentum an. Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. Ich soll meinen Nächsten lieben? Selbst wenn es Erik ist, der Stinkstiefel, der mir die ganze Schulzeit versaut hat? Oder meinen Chef, der keine Möglichkeit auslässt, mir immer mehr Arbeit aufzudrücken? Den soll ich lieben? Den liebt doch niemand! Und das mit der Wange? Wenn dir jemand auf die rechte Wange schlägt, halte ihm die linke hin. Geht’s noch? Bin ich etwa Masochist? Dem Idioten, der so etwas macht, trete ich gegen das Bein, dass er drei Wochen mit Krücken laufen muss. Früher sollte man liebevoll und respektvoll mit seinen Mitmenschen umgehen. Und wenn sie es gar nicht verdienen? Wenn sie blöd sind? Man sollte ihnen in der Not helfen. Die meisten sind doch selbst daran schuld, wenn sie Hilfe brauchen. Ganz schön anstrengend, jedem Trottel helfen zu müssen. Nein, früher war es wirklich schwer, wenn man ein guter Mensch sein wollte.

Heute ist das viel einfacher. Man lässt sich zwei Mal impfen und fortan gilt man als solidarischer, als verantwortungsbewusster Mensch, der viele unschuldige Leben rettet. Kurz gesagt, man ist ein guter Mensch.

Überhaupt, ist das Impfen nicht die neue Taufe? Sie wäscht uns rein von der Corona-Sünde. Sie gibt uns unsere Unschuld, unsere Virenfreiheit zurück. Johannes der Täufer würde heute Johannes der Impfer heißen. Und Jesus würde zum Impfzentrum wandern, den Ärmel hochkrempeln, um sich von ihm piksen zu lassen. Dann würde er in die Welt hinausziehen und die frohe Botschaft vom ewigen Leben verbreiten.

Das Leben ist so einfach geworden.

17 April 2021

Lockdown-Lust

Lasst uns einen Lockdown machen! Einen richtig harten Lockdown! Einen Lockdown wie ihn die Welt noch nie gesehen hat!

Weg mit den jammernden Gastronomen. Sollen sie doch anders ihr Geld verdienen. Wir haben inzwischen alle Kochen gelernt. Und die, die das immer noch nicht können, sollen die sich doch ihr Essen beim Lieferdienst bestellen.

Weg mit den Kleider- und Schuhgeschäften. Es lebe die Jogginghose. Es lebe der Sportschuh vom Discounter. Mode war gestern, heute ist Minimalismus.

Weg mit den überfüllten Fußgängerzonen. Wer braucht denn so was?

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12 April 2021

Montag, 12. April 2021

Die Bäume werden langsam grün. Es ist noch ein helles zartes Grün. Heute durch die Straßen gebummelt. Wie groß die Angst der Menschen doch ist, dass manche selbst in der frischen Luft noch eine Maske tragen. Auch noch FFP-2-Masken. Auf dem Fahrrad, beim Spaziergang.

Ich lief an einer Schule vorbei, wo Eltern auf ihre Kinder warteten. Viele Eltern maskiert. Viele Kinder auch. Meistens mit den dünneren OP-Masken. Es sieht aus, als kämen sie gerade aus einem Seuchen-Labor.

Die Lokale haben dicht. Draußen stehen unbenutzte schmutzige Tische. In den Parks sieht man hie und da Jogger oder Leuten mit Hunden. Warum tragen Hunde eigentlich keine Masken?

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