31 Dezember 2020

Die alternativlose Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

wieder liegt ein Jahr mit Höhen und Tiefen hinter uns. Dabei begann es so gut, zumindest für mich. Ich weiß noch wie ich in Davos gemütlich mit Emmanuel, Giuseppe und Klaus bei einem Chateau Lafite zusammensaß. Wir diskutierten über Gott und die Welt. Wie man das eben so macht, während des Weltwirtschaftsforums. Ich weiß nicht, ob es der Wein war oder ob Emanuel zu Hause wieder Probleme hatte. Jedenfalls fing er an, herumzuposaunen, die einzigen wirklichen Demokraten in Europa seien die Franzosen. Es begann eine heftige Debatte, in die sich auch andere Regierungschefs einmischten. Die Emotionen kochten hoch. Vielleicht hatten wir alle einfach zu viel getrunken. Jedenfalls schlossen wir eine Wette ab. Gewinner sollte sein, wessen Bevölkerung sich als erstes gegen die Einschränkungen von Freiheiten auflehnen würde. Nur die Schweden waren Spielverderber und beteiligten sich nicht daran. Wir anderen hatten auch schon einen Anlass gefunden, mit dem wir die Einschränkungen begründen wollten. Ein neues Virus aus Wuhan. Es war gefährlich, aber nicht so gefährlich, dass die Einschränkung, die wir planten, gerechtfertigt wären. 

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29 November 2020

Paranoia und Sachertorte (17)

Meine Eltern sind zu Besuch. Wir hocken am Esstisch. 

Und das ist wirklich erlaubt? fragt Mama.

Klar. Personen aus zwei Haushalten dürfen sich treffen, erkläre ich ihr.

Schön dass ihr da seid, sagt Schatz und gießt Kaffee ein.

War ja auch mal Zeit, sagt Papa, nachdem ihr uns letztes Jahr an Weihnachten versetzt…

Das war das schrecklichste Weihnachten überhaupt, unterbricht ihn Mama, ich hätte beinah geheult. Und jetzt ist schon bald wieder Weihnachten. Wie schnell doch die Zeit vergeht.

Dieses Jahr, sage ich, wird es vielleicht noch viel schlimmer, weil jeder zu Hause feiern muss.

Versteht ihr euch gut mit euren Nachbarn? Nicht das die euch anzeigen, weil hier so viele Leute sind.

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19 September 2020

Wunderkerzen zum Lutschen (16)

Ich komme von der Arbeit nach Hause. Schatz hat eine Fertigpizza im Ofen und sitzt mit Taliban auf dem Sofa. Im Fernsehen läuft Bares für Rares. 

Unser Paket ist da, sagt sie. Könntest du zur Huber runtergehen und es holen.

Warum ich?, frage ich. 

Die mag dich doch so gerne, sagt Schatz. Das meint sie ironisch. Die Huber ist bestimmt über 80 und ihre Zahnprothese klappert, wenn sie redet.

Nun geh schon, befiehlt Schatz. 

Na gut! Ich fahre mit dem Fahrstuhl nach unten. 

Ach mein Schnucki, begrüßt mich Frau Huber und küsst mich auf die Wange. Sie zieht mich gleich in ihre Wohnung. Im Fernsehen läuft Bares für Rares. Aber wir setzten uns in die Küche. 

Das ist ja schön, dass du auch mal wieder kommst. Wie geht es dir und deiner Frau?

Gut.

Möchtest du etwas trinken?

Ich komme eigentlich wegen dem Paket.

Ja, das hat Walter heute abgegeben.

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