14 September 2021

Inoffizielles Dankschreiben der Pharma-Industrie an die Geimpften

Liebe Geimpftinnen und Geimpfte,

wir wollen uns ganz herzlich für Ihr Vertrauen bedanken, das Sie uns entgegengebracht haben. Mit Ihrer Impfung gegen COVID-19 wurde Ihnen ein hochmodernes Arzneimittel gespritzt, an dem wir schon seit mehr als 15 Jahren ergebnislos forschten. Erst durch Ihre Steuergelder war es uns möglich, sämtliche Probleme, die wir mit den vorherigen Versuchen hatten, innerhalb von 9 Monaten zu lösen. Sie können sich sicher sein, dass dieses Arzneimittel keinerlei Nebenwirkungen hat. Es könnten lediglich Vorerkrankungen bei Ihnen auftreten, die Sie bisher noch nicht hatten. Auch führten wir über mehrere Wochen Studien durch, um Ihnen garantieren zu können, dass keine Langzeitschäden auftreten werden. Von unserem Impfstoff sind wir so sehr überzeugt, dass wir die Verantwortung für Impfschäden mit gutem Gewissen den Abnehmer-Staaten überlassen haben. Sie sehen also, Sie haben sich für ein hochwirksames, ausgereiftes Produkt entschieden. Wenn Sie sich einen Fernseher kaufen, möchten Sie gerne das neueste innovativste Modell haben. Und bei Impfstoffen? Da gilt das doch noch viel mehr. Hochwirksam, hochmodern und ganz genau auf Corona zugeschnitten. Da kann man auch über eine kleine Einschränkung großzügig hinwegsehen. Um beim Bild des Fernsehers zu bleiben: Sie kaufen sich ein hochgradig smartes TV-Gerät, um das Sie jeder beneidet. Was stört es da, dass Sie damit nur ARD sehen können. Für das ZDF brauchen Sie dann ein weiteres dieser wundervollen Geräte. Und für RTL und für Sat1, usw. Ähnlich ist es auch mit unserer Impfung. Aber das gehört zu unserem Geschäftsmodell, dem Sie zu einhundert Prozent vertrauen können. Wir werden Sie bei jeder Mutation des Coronavirus mit einem weiteren hochmodernen und passenden Impfstoff versorgen. Denn alle unsere Bemühungen zielen darauf ab, Ihre Gesundheit zu schützen.

Übrigens: Aller guten Dinge sind drei! Haben Sie sich schon Ihren persönlichen Booster geholt? Nein? Na dann, nichts wie los! Wenn Sie Glück haben, kriegen Sie noch eine kostenlose Bratwurst dazu.

Herzliche Grüße

Ihre Pharma-Industrie

28 Juli 2021

Das Leben ist so einfach geworden

Was war das Leben früher doch kompliziert. Vor allem dann, wenn man als guter Mensch gelten wollte. Das fing schon im Christentum an. Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. Ich soll meinen Nächsten lieben? Selbst wenn es Erik ist, der Stinkstiefel, der mir die ganze Schulzeit versaut hat? Oder meinen Chef, der keine Möglichkeit auslässt, mir immer mehr Arbeit aufzudrücken? Den soll ich lieben? Den liebt doch niemand! Und das mit der Wange? Wenn dir jemand auf die rechte Wange schlägt, halte ihm die linke hin. Geht’s noch? Bin ich etwa Masochist? Dem Idioten, der so etwas macht, trete ich gegen das Bein, dass er drei Wochen mit Krücken laufen muss. Früher sollte man liebevoll und respektvoll mit seinen Mitmenschen umgehen. Und wenn sie es gar nicht verdienen? Wenn sie blöd sind? Man sollte ihnen in der Not helfen. Die meisten sind doch selbst daran schuld, wenn sie Hilfe brauchen. Ganz schön anstrengend, jedem Trottel helfen zu müssen. Nein, früher war es wirklich schwer, wenn man ein guter Mensch sein wollte.

Heute ist das viel einfacher. Man lässt sich zwei Mal impfen und fortan gilt man als solidarischer, als verantwortungsbewusster Mensch, der viele unschuldige Leben rettet. Kurz gesagt, man ist ein guter Mensch.

Überhaupt, ist das Impfen nicht die neue Taufe? Sie wäscht uns rein von der Corona-Sünde. Sie gibt uns unsere Unschuld, unsere Virenfreiheit zurück. Johannes der Täufer würde heute Johannes der Impfer heißen. Und Jesus würde zum Impfzentrum wandern, den Ärmel hochkrempeln, um sich von ihm piksen zu lassen. Dann würde er in die Welt hinausziehen und die frohe Botschaft vom ewigen Leben verbreiten.

Das Leben ist so einfach geworden.

17 April 2021

Lockdown-Lust

Lasst uns einen Lockdown machen! Einen richtig harten Lockdown! Einen Lockdown wie ihn die Welt noch nie gesehen hat!

Weg mit den jammernden Gastronomen. Sollen sie doch anders ihr Geld verdienen. Wir haben inzwischen alle Kochen gelernt. Und die, die das immer noch nicht können, sollen die sich doch ihr Essen beim Lieferdienst bestellen.

Weg mit den Kleider- und Schuhgeschäften. Es lebe die Jogginghose. Es lebe der Sportschuh vom Discounter. Mode war gestern, heute ist Minimalismus.

Weg mit den überfüllten Fußgängerzonen. Wer braucht denn so was?

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20 März 2021

Das Leben ist ein Gartenhaus (18)

Wir sind zu Besuch bei den Eltern von Schatz. Wohnen auf dem Land. Großer Bungalow mit Garten am Hang.

Kaffeetrinken im Wohnzimmer. Im Fernsehen läuft gerade die Tagesschau am Nachmittag.

… und dann habe ich ihm gesagt, solange er Covid hat, muss er im Gartenhaus wohnen, erzählt uns die Mutter Evelin.

Ja, bestätigt Frederik der Vater, ich hatte ja Symptome.

Er rannte ständig aufs Klo. Durchfall, Erbrechen, es war furchtbar.

Aber Covid-19 ist doch eine Lungeninfektion, gebe ich zu bedenken.

Kann aber auch andere Symptome machen. Seid ihr denn nicht informiert? Kopfschmerzen, Hirnschlag, Herzinfarkt, Nieren- oder Leberversagen. Ich wurde trotz der Quarantäne auch infiziert.

Du warst krank?, fragt Schatz erstaunt.

Und wie! Ich hatte blaue Flecken an den Beinen.

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31 Dezember 2020

Die alternativlose Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

wieder liegt ein Jahr mit Höhen und Tiefen hinter uns. Dabei begann es so gut, zumindest für mich. Ich weiß noch wie ich in Davos gemütlich mit Emmanuel, Giuseppe und Klaus bei einem Chateau Lafite zusammensaß. Wir diskutierten über Gott und die Welt. Wie man das eben so macht, während des Weltwirtschaftsforums. Ich weiß nicht, ob es der Wein war oder ob Emanuel zu Hause wieder Probleme hatte. Jedenfalls fing er an, herumzuposaunen, die einzigen wirklichen Demokraten in Europa seien die Franzosen. Es begann eine heftige Debatte, in die sich auch andere Regierungschefs einmischten. Die Emotionen kochten hoch. Vielleicht hatten wir alle einfach zu viel getrunken. Jedenfalls schlossen wir eine Wette ab. Gewinner sollte sein, wessen Bevölkerung sich als erstes gegen die Einschränkungen von Freiheiten auflehnen würde. Nur die Schweden waren Spielverderber und beteiligten sich nicht daran. Wir anderen hatten auch schon einen Anlass gefunden, mit dem wir die Einschränkungen begründen wollten. Ein neues Virus aus Wuhan. Es war gefährlich, aber nicht so gefährlich, dass die Einschränkung, die wir planten, gerechtfertigt wären. 

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